Weil es keine Antwort gab auf die Frage nach dem »Warum«

Wenn mich jemand fragt, was ich nach dem Studium machen will, dann antworte ich nie »Ich werde ins Vikariat gehen und Pastorin werden.« Ich sage: »Im Moment würde ich mich dafür entscheiden.« Das macht – im Moment – erst einmal keinen Unterschied. Aber dann. Dann könnte es einen machen. Woher soll ich denn jetzt wissen, was in den nächsten Jahren während des Studiums so passiert, wie sich Kirche verändert, der Beruf, wie ich mich verändere? Das Studium dauert einige Jahre – ich kann jetzt noch keine endgültige Entscheidung treffen. Und damit geht es mir auch ganz gut. »Im Moment würde ich mich dafür entscheiden.« Was später sein wird, wird sich zeigen, immerhin gibt es da noch jemand anderen, der Pläne macht und die sind dann manchmal eben doch auch ganz anders als man selbst sich das vorgestellt hat.

Ja, ich kann mir gut vorstellen Pastorin zu werden. Ich wünsche es mir, jetzt gerade und auch schon seit einer ganzen Weile. Auch mein Studium hat mich in diesem Wunsch bisher nur gestärkt genau wie das Ehrenamt in Gemeinde, Kirchenkreis etc. Ich wünsche mir eine Zukunft in Kirche, ob diese dann im Hauptamt endet, werden wir in ein paar Jahren sehen, wenn die Entscheidung ansteht. Bis dahin bleibe ich bei meiner Antwort: »Im Moment würde ich mich dafür entscheiden.«

Vor ein paar Monaten war ich beim Kennlerngespräch im Landeskirchenamt. Dabei ging es um die Aufnahme auf die Liste der Theologiestudierenden der Landeskirche. Es geht darum, zu unterschreiben, dass man voraussichtlich nach dem Studium ins Vikariat gehen wird. Es ist aber keine strenge Verpflichtung. Die Landeskirche kann damit frühzeitig planen was spätere Stellen angeht und wirbt mit Büchergeld, Finanzierung des Gemeindepraktikums in der zweiten Studienhälfte, Seminaren etc.

Was es jedoch nicht gab, war eine Antwort auf die Frage nach dem »Warum« und Fragen hatte ich genug mitgebracht; Fragen und Situationen, die mich ratlos machen, in denen ich Kirche nicht mehr wiedererkenne, in denen ich mich fremd fühle in dem, was mir Heimat ist. Mein Wunsch Pastorin zu werden ist nicht naiv. Ich kenne Kirche und viele, die in ihr arbeiten. Ich weiß glaube ich recht gut, worauf ich mich einlassen würde. Der Wunsch ist kein »Trotzdem«, aber Trotz, davon habe ich wohl manchmal eine ganze Menge. Zum Beispiel wenn ich zum Kennlerngespräch gehe und nicht unterschreibe. Eine Prise Trotz, aus einem Gefühl heraus, das sich nur schwer beschreiben lässt.

Gerne möchte ich von diesem Gefühl erzählen. Ich spreche dann von Erlebnissen, negativen Erlebnissen, an denen sich dieses Gefühl festmacht. Aber es geht mir nicht um die einzelne Sache, sondern das, was dahinter steht. Wenn ich von Nachwuchskampangen spreche, dann geht es mir um das PfarrerInnenbild, das ich in ihnen wahrnehme. Es geht nicht um die Kampange an sich und sie ist auch nur ein Beispiel von vielen, in denen dieses Gefühl da war, das nicht an sich im Weg steht, aber Fragen stellt.

Es sind gute Fragen, Wichtige, die ich erst beantworten muss, um den nächsten Schritt zu gehen. Manche davon kann nur ich selbst beantworten. Dann ist es meine Entscheidung, die mich betrifft, mich und Gott. Und manche muss ich anderen stellen. Dann ist es meine Entscheidung, die mich betrifft und Kirche. Und wieder andere werden wohl nie beantwortet werden und das ist auch gut so. Ein bisschen Zweifel bleibt. Immer.

Wo kann ich in meiner Kirche diese Fragen stellen, die großen und kleinen Fragen nach dem »Warum«? Wie kann ich sie stellen, damit sie nicht freche Kritik bleiben sondern von Verbundenheit sprechen und von Träumen. Wem kann ich sie stellen, dass sie gehört werden?

Und will sie jemand hören?

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2 Gedanken zu “Weil es keine Antwort gab auf die Frage nach dem »Warum«

  1. Ich kann deine Fragen zum Thema Kirche nicht beantworten. Aber ich weiß, dass sich die eigenen Pläne im Verlauf des Studiums ganz schön ändern können. Angetreten bin ich das Politik- und Erziehungswissenschaftsstudium mit dem Vorsatz, Journalistin zu werden. Und jetzt werde ich wahrscheinlich Sozialarbeiterin…

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    1. Und wie großartig ist es, dass das einfach passieren kann! Wir haben so viele Möglichkeiten. Und manchmal muss man einfach erstmal etwas ausprobieren um dann nochmal ganz neu zu denken. Danke fürs Teilen 🙂

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