Wenn Du plötzlich weißt, wie das ist.

Ich teile auf Twitter und hier im Blog spontane Ideen und Gedanken, die mich beschäftigen. Ich erzähle von meinem Tag, von etwas das ich erlebt habe. Natürlich teile ich nicht alles, möchte ich ergänzen bei diesen Sätzen, weil ganz tief im Hinterkopf eine Stimme vor den „Gefahren dieses Internets“ warnt. Diese Stimme klingt sehr nach ehemaligen Lehrern.

Ich teile etwas aus meinem Leben, ich darf an dem anderer teilhaben. Für mich ist das keine Selbstdarstellung. Ich trenne nicht zwischen digitalen und „echten“ Kontakten. Das geht gar nicht. Manchmal wenn etwas passiert, möchte ich einfach jemandem davon erzählen.

Ich erzähle gerne von besonderen Erlebnissen. Aber was ist, wenn es mal nicht so gut läuft? Kann ich auch davon erzählen? Will das jemand lesen? Und wie wären die Reaktionen? Kann ich negative Erlebnisse teilen, ohne zu klingen, als hätte ich es auf Mitleid oder so etwas abgesehen? Denn das will ich nicht.

Ich schreibe hier im Blog von den Dingen, die mich beschäftigen. Und manchmal sind die Anlässe eben nicht die Glücklichsten. Aber sie beschäftigen mich. Und ich möchte sie teilen. Ohne Mitleidsruf und ohne Notwendigkeit besorgter Antworten. Ich möchte erzählen und laut nachdenken dürfen wie sonst auch. Klingt das dann komisch, dann ist das wohl so.


„Und vor allem Gesundheit“, ein Wunsch, der in keiner Geburtstagskarte fehlen darf. Klar, habe ich immer gedacht, krank sein ist doof. Mit Erkältung im Bett kann man seine Zeit nicht wirklich genießen. Der Vorteil an einer Erkältung? Sie ist bald wieder vorbei.

Vor circa drei Monaten habe ich erfahren, dass ich Rheuma habe. Das hat mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt. Ich hatte seit Ostern einen Schub. Es kam von jetzt auf sofort, nicht schrittweise sondern plötzlich. Innerhalb von 15min stellte eine Ärztin die Diagnose. Seitdem nehme ich täglich Medikamente. Es wirkt, wird langsam besser. Es braucht alles Zeit und eine große Portion Geduld und Vertrauen gegen die Ungewissheit. Ungewissheit ist das Schlimmste.

Und dann weißt du plötzlich, wie das ist. Du weißt wie das ist, wenn da ständig mitleidige Blicke sind, weil man es Dir beim Gehen ansieht. Du weißt wie das ist, wenn eine Treppe oder wenige Stufen eine Herausforderung sind. Wenn Du an schlechten Tagen auf Jemanden angewiesen bist, weil Du die Flasche nicht selbst aufdrehen kannst oder das Brot schmieren. Wie schnell es einsam machen kann, wenn du krank im Bett liegst und eben nicht mit den anderen zur Uni kannst.

Du weißt dann wie das ist, aber schlimmer ist, was Du nicht weißt: Wie es sein wird. Wie es Dich beeinflussen wird. Ein Berg voller wie´s und ob´s und eine Menge Ungewissheit.

Das klingt alles ganz furchtbar. Und ja, an manchen Tagen fühlt es sich auch ganz genau so an und da ist Angst. Aber es überwiegen die Tage, an denen da wunderbare Menschen um mich sind, die mir helfen und mich nicht mit all dem allein lassen. Ich weiß, dass das auch für sie nicht immer leicht ist und ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Ich bin unfassbar dankbar. Fürs Besuchen und Aufmuntern. Fürs Einkauf nach Hause tragen, einfach mal gemeinsam alles doof finden und über ernste Dinge lachen können. Danke.

Ich weiß nicht, wie sehr mich das in Zukunft beeinflussen wird. Ich weiß, dass ich immer Medikamente nehmen werde. Das ist ok. Ich bin froh, dass es sie gibt. Ich kann nur abwarten und mich darauf verlassen, dass ich es nicht allein schaffen muss, dass da immer Menschen sein werden. Dass Gefühl, auf Hilfe angewiesen zu sein ist nicht schön. Aber ich bin dankbar, dass da Hilfe ist.

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