Ingenieurswissenschaften und die #digitaleKirche

Am Wochenende habe ich auf einem theologischen Nachwuchsseminar einen Vortrag von Professor Musmann gehört, Ingenierswissenschaftler aus Hannover unter dessen Leitung die Audiocodierung als Grundlage für das MP3-Format entwickelt wurde.

Er stellte uns seine Arbeit vor und das auf eine Art, dass wir folgen konnten auch wenn niemand von uns Ingenierswissenschaften studiert hat. Allein davon könnten wir viel lernen. Er erzählte vom Ziel, die riesigen Datenmengen zu minimieren um Filme mit Bild und Ton auf CDs speichern zu können. Wir lernten etwas über das Binärsystem, darüber wie unser Ohr Informationen aufnimmt und weiterleitet und die letztendliche Codierung, die es ermöglichte all diese Informationen aufzugreifen und das Ziel zu erreichen.

Fast 90% der Datenmenge bestand zuvor aus einem kaum wahrnehmbaren Rauschen im Hintergrund. Das Team schaffte es, dieses herauszufiltern und ein datensparendes Ergebnis zu liefern, das mit dem menschlichen Ohr nicht vom Original zu unterscheiden ist. (Wir durften Probehören.)

Gleich in seinen ersten Sätzen fiel das Stichwort „Digitalisierung“. Er habe sich, während viele seiner Kollegen davon sprachen, es handle sich um ein unbedeutendes Phänomen, gleich bewusst dafür entschieden, diese Entwicklung nicht nur mitzumachen sondern durch seine Arbeit auch entscheidend voranzubringen. Auch heute sprechen wir viel über Digitalisierung. Bei seiner Entscheidung handelt es sich allerdings um eine Zeit, in der ich noch lange nicht geboren war. Er hat sich schon zu diesem Zeitpunkt dafür entschieden. Wir diskutieren immer noch…

Beim Stichwort Digitalisierung habe ich gleich an die Diskussion um #digitaleKirche gedacht. Und während seines Vortrags musste ich immer wieder schmunzeln, wenn ich versucht habe Parallelen zu ziehen, denn sie waren ganz klar da.

Was können wir also von Ingenierswissenschaften lernen? Ich denke eine ganze Menge:

  1. Was ist der Inhalt, die Botschaft, die wir übertragen wollen?

  2. Was schwingt dabei mit, ist aber im Ergebnis kaum wahrnehmbar und kostet doch einen Großteil der aufgewendeten Energie?

  3. Wie wird das, was ich übertragen möchte aufgenommen? Was kommt an?

  4. Was ist das Medium, was das Format, in dem ich übertragen möchte?

  5. Passt dieses Format zu den Anforderungen der Zeit oder braucht es ein Neues?

Als Professor Musmann mit der Entwicklung dieser Audiocodierung beauftragt wurde, war sein erster Schritt eine internationale Ausschreibung. Er hat Wissenschaftler auf der ganzen Welt nach ihren Ideen, ihren Gedanken gefragt und konnte dann auf dieser Grundlage seine Arbeit beginnen. Mit seinem Team hat er sich allein auf den Ton konzentriert. Für das Bild war eine andere Gruppe zuständig. Jeder kümmerte sich um sein Spezialgebiet und so konnten am Ende beide Teile zusammengefügt werden und es entstand ein Format, das bis heute maßgeblichen Einfluss auf die Digitalisierung hat.

Ob wir etwas von den Ingenierswissenschaften lernen können? Ja, ich denke eine ganze Menge…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s